6 | Weihnachten 1643 – William Mynors benennt eine Insel im Indischen Ozean

Die 350 km südlich von Java liegende und heute zu Australien gehörende Insel war schon seit dem frühen 17. Jahrhundert bekannt. William Mynors, der im Auftrag der Britischen Ostindien-Kompanie als Kapitän der „Royal Mary“ die Insel am 25. Dezember 1643 ansteuerte, benannte sie mit ihrem bis heute gültigen Namen „Christmas-Island – Weihnachtsinsel“. Namensgebend wurde die Insel deshalb auch für die artenreiche Fauna, die aufgrund der insularen Lage entstand – Krabben, Käuze, Habenichte, Drosseln, Ratten und Fledermäuse entwickelten einzigartige Ausprägungen.

Karte der Weihnachtsinsel, nach englischen Vermessungen von 1908 publiziert im Seekartenwerk des Service Hydrographique de la Marine, Paris 1936, Kupferstich. (Forschungsbibliothek Gotha, Sammlung Perthes, Kartensammlung)

Karte der Weihnachtsinsel, nach englischen Vermessungen von 1908 publiziert im Seekartenwerk des Service Hydrographique de la Marine, Paris 1936, Kupferstich. (Forschungsbibliothek Gotha, Sammlung Perthes, Kartensammlung)

Diese endemischen Arten leben auf einer Insel, deren kartografisches Abbild hier in einer Seekarte des französischen Service Hydrographique de la Marine von 1936 gezeigt wird. Die Karte bildet die für Seekarten typischen Umrisse der Insel mit den Tiefenangaben des Meeres ab und ergänzt diese um zwei Nebenkarten – die eine zeigt den auf der Insel schiffbaren natürlichen Hafen, die andere die Lage der Insel im Indischen Ozean mit den für die Schifffahrt notwendigen Leuchtfeuern, die als einziges farbiges Element der Karte in roten Piktogrammen erscheinen. Diese Karte befindet sich seit 1937 in der Seekartensammlung des Justus Perthes Verlages, deren Anfänge in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen. Nautisches Kartenmaterial war für einen Verlag, der Aktualität und Exaktheit als entscheidendes Qualitätsmerkmal seiner Karten behauptete und vermarktete, unverzichtbar. Denn Seekarten liefern exakte Meerestiefen und Küstenlinien, die aufgrund ihrer beständigen Veränderung durch Naturgewalten permanent aktualisiert werden müssen. Die Seekartensammlung des Perthes Verlags wurde 1854 durch August Petermann begründet, der bei seiner Übersiedelung von London nach Gotha eine geschlossene Sammlung englischer Seekarten mitbrachte, die aufgrund der damaligen Stellung des Empire als bedeutendste, weltweit operierende Seemacht in ihrer Qualität, Genauigkeit und Weite ihres geographischen Einzugsbereichs unübertroffen waren. Der Perthes Verlag entwickelte zwar keine eigene Tradition der Seekartenherstellung, aber der frühe Bestand an englischen Seekarten wuchs in den darauffolgenden Jahrzehnten auf eine umfangreiche Sammlung von Kartenwerken aller seefahrenden Länder an. Der Perthes Verlag wurde zum Hafen von mehr als 12.000 Seekarten, so dass man durchaus behaupten kann, dass Gotha „am Meer“ liegt.

Autorin: Dr. Petra Weigel

Die Abbildung ist urheberrechtlich geschützt und darf nur nach Rücksprache mit der Sammlung Perthes Gotha weiterverwendet werden.

Advertisements