5 | Im Jahr 1777 – James Cook feiert Weihnachten und entdeckt eine Insel

Im Juli 1776 bricht der britische Seefahrer und Entdecker James Cook mit der „Resolution“ und der „Discovery“ zu seiner dritten und letzten Weltumsegelung auf. Sie führt ihn erneut in die Südsee, wo er im Februar 1779 auf Hawaii den Tod finden wird. Im Dezember 1777 kreuzt Cook aber noch inmitten der Weiten des Pazifik, überquert in der Nacht vom 22. auf den 23. Dezember auf der ungefähren Länge von Hawaii Richtung Norden den Äquator und sichtet, wie er in seinem Tagebuch berichtet, am 24. Dezember kurz vor Sonnenaufgang „eine jener niedrigen, in diesem Ozean so häufigen Inseln, d.h. eine schmale, einen See einschließende Landbank“. Das Atoll ist unbewohnt, aber von Schildkröten bevölkert. Cook und seine Mannschaft werden sich, bevor sie am Neujahresmorgen 1778 die Anker lichten, mit mehr als 300 jener grünen schmackhaften Meeresschildkröten eindecken. Dass man so lange bleibt, hat aber nicht nur kulinarische, sondern auch kosmische Gründe: Cook möchte die für den 30. Dezember angekündigte Sonnenfinsternis beobachten, verpasst sie jedoch, denn der Himmel bleibt bedeckt. Das neu entdeckte Land benennt Cook „Christmas Island – Weihnachtsinsel“, die heute Kiritimati heißt. Das zum zentralpazifischen Inselstaat Kiribati gehörende Eiland wird in den 1950er- und 1960er-Jahren zu einem der heißesten Orte des Kalten Krieges, als Großbritannien und die USA Atom- und Wasserstoffbombentest in der Nähe der Insel durchführen.

Karte der Weihnachtsinsel, nach der Vermessung und Aufnahme von Thomas Edgar 1777. Erschienen in: James Cook, A Voyage to the Pacific Ocean in the Years 1776–1780, Vol. 2, London 1784, Kupferstich. (Forschungsbibliothek Gotha, Sammlung Perthes, Kartensammlung)

Karte der Weihnachtsinsel, nach der Vermessung und Aufnahme von Thomas Edgar 1777. Erschienen in: James Cook, A Voyage to the Pacific Ocean in the Years 1776–1780, Vol. 2, London 1784, Kupferstich. (Forschungsbibliothek Gotha, Sammlung Perthes, Kartensammlung)

Cook benannte nicht nur die Insel, sondern er veranlasste auch deren Vermessung und kartografische Aufnahme. Sie erschien erstmals als Kartenbeilage in den 1784 in London verlegten Tagbüchern Cooks und zeigt die Insel geostet. Ein Exemplar dieser englischen Ausgabe findet sich heute in der Bibliothek der Sammlung Perthes Gotha, allerdings fehlen in ihr alle Karten. Die Karten wurden ganz offensichtlich herausgeschnitten, um sie der Kartensammlung der Sammlung Perthes einzuverleiben, wie der Stempel am rechten Rand der hier gezeigten Karte belegt. Der „Frevel“ wurde allerdings schon im Geschehen genau dokumentiert. Auf dem Titelblatt der Ausgabe von Cooks Tagebüchern erscheint der Vermerk „11 Karten separat“, auf der Karte wiederum der Hinweis auf die Cooks Tagebücher. Die Handschrift ist bekannt. Sie ist August Petermann zuzuordnen, der als wichtigster Mitarbeiter des Verlages Justus Perthes seit 1855 wie ein anderer zuvor Karten, Dokumente und Literatur der letzten Phase des Entdeckungszeitalters sammelte, um aus ihr eine exakte Kartografie zu entwickeln. Im Editorial der von ihm herausgegebenen „Mittheilungen aus Justus Perthes’ Geographischer Anstalt“ postuliert er deshalb 1855, dass „Karten das Endresultat neuer geographischer Forschungen zusammenfassen und graphisch veranschaulichen“. Es ist deshalb nicht überraschend, dass Petermann Cooks Kartenmaterial, das die bis dahin unbekannten Inseln der Südsee vermaß, in einer eigenständigen Kartensammlung des Verlages Justus Perthes separierte.

Autorin: Dr. Petra Weigel

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