1 | Vulkan Merapi

Franz Wilhelm Junghuhn, Ansichten des Vulkans Merapi, 1836

Die Meldung des erneuten Ausbruchs des Vulkans Merapi (Indonesien, Insel Java) im November 2010 ist der Anlass für das Fundstück des Monats Dezember.
Franz Wilhelm Junghuhn (1809–1864) war der erste europäische Gelehrte, der die Insel Java in ihrer Geographie, Geologie und Botanik erforschte. Die Ergebnisse seiner ausgedehnten Reisen seit 1835 legte er in seinem Werk „Topographische und naturwissenschaftliche Reisen durch Java“ (1845) vor, dessen zweiter Teil der erste wissenschaftliche Atlas der Insel bildet. Seit 1852 folgte dann Junghuhns dreibändiges Hauptwerk über „Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart“ (1852–1854), das ihm den Ehrentitel des „Humboldts von Java“ eintrug.

Franz Wilhelm Junghuhn, Topographischer und naturwissenschaftlicher Atlas zur Reise durch Java, Magdeburg 1845, Titelblatt, Sammlung Perthes Bibliothek 8° 3150.00011

Franz Wilhelm Junghuhn, Topographischer und naturwissenschaftlicher Atlas zur Reise durch Java, Magdeburg 1845, Titelblatt, Sammlung Perthes Bibliothek 8° 3150.00011

Junghuhns Karten von Java basierten auf einer von ihm vorgenommenen Landesvermessung, für die er alle Vulkane der Insel bestieg. Im Herbst 1836 erklomm Junghuhn den fast 3.000m hohen „Feuerberg“ (Merapi), der zu den aktivsten Vulkanen der Erde zählt. Auf die Südseite des Vulkans blickend berichtet Junghuhn „Man steht zwischen den Stämmen der Celtis montana (Angring), deren Wälder sich hier endigen, und blickt hinaus nach dem öden Gipfel. – In einförmigem Grau liegt er da; nur in der Mitte zieht sich eine kleine Strauchvegetation von Gaultherien und Thibaudien noch über die Angringwälder hinauf. Einige der hohen Punkte sind vom ersten Sonnenstrahl beleuchtet, während das Andere noch im Schatten liegt. Lange weißliche Usneen hängen von den grauen zweigen und Stämmen der Celtisbäume herab. Viele dieser Bäume im Vordergrunde sind kahl und verbrannt. Der Boden ist mit kleinen Steingeröllen bedeckt, zwischen denen überall das Polypodium vulcanicum Bl. hervorwuchert. Auch Grasarten verbreiten sich umher.“

Der Merapi von der Südseite, Lithographie, 1845

Der Merapi von der Südseite, Lithographie, 1845

Der Merapi von der Nordseite, Lithographie, 1845

Der Merapi von der Nordseite, Lithographie, 1845

Bei Justus Perthes verfolgte man Junghuhns Forschungen aufmerksam und erwarb für die wachsende kartographisch-geographische Fachbibliothek seine Reise- und Kartenwerke. In Auswertung von Junghuhns Vermessungen und Beschreibungen schuf August Petermann eine moderne Karte Javas, die 1866 in Petermanns „Mitteilungen aus Justus Perthes‘ Geographischer Anstalt“ erschien.

August Petermann, Kultur-Karte von Java, hauptsächlich nach F. Junghuhn, 1:2.600.000, in: Mitteilungen aus Justus Perthes‘ Geographischer Anstalt 12 (1866) Tafel 18, Sammlung Perthes Archiv 4° 100 (012)

August Petermann, Kultur-Karte von Java, hauptsächlich nach F. Junghuhn, 1:2.600.000, in: Mitteilungen aus Justus Perthes‘ Geographischer Anstalt 12 (1866) Tafel 18, Sammlung Perthes Archiv 4° 100 (012)

Sie bildete wiederum die Grundlage für alle weiteren Java-Karten in den Kartenwerken des Verlages, so auch für Stielers Handatlas.

Stielers-Handatlas, 10. Auflage 1921-25, Karte Nr. 72: Malaiische Inselwelt, 1:12.500.000, Sammlung Perthes Archiv 2° 60 (072)

Stielers-Handatlas, 10. Auflage 1921-25, Karte Nr. 72: Malaiische Inselwelt, 1:12.500.000, Sammlung Perthes Archiv 2° 60 (072)

Autorin: Dr. Petra Weigel, Referentin der Forschungsbibliothek Gotha für die Sammlung Perthes

Die Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nur nach Rücksprache mit der Sammlung Perthes Gotha weiterverwendet werden.

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