2 | Sven Hedin

Sven Hedin, Glückwunschkarte zum 80. Geburtstag, 19. Februar 1945

„Ich finde es bewunderungswert dass Sie trotz des Krieges doch immer arbeiten.“ Diese Zeilen schrieb der schwedische Forschungsreisende Sven Hedin (1865-1952) am 04.10.1943 an die Geografische Anstalt Justus Perthes in Gotha. Gemeinsam mit dem Verlag wollte Hedin nach eigenen Angaben sein „Lebenswerk“, den Zentralasienatlas, veröffentlichen, wozu es, bedingt durch die Kriegszustände, aber nicht kam. Umso erstaunlicher ist es jedoch, dass die Zusammenarbeit bis zum Ende des Krieges anhielt, wovon u.a. dieses Fundstück Auskunft gibt.

Fotoportrait vom 25.11.1940

Fotoportrait vom 25.11.1940

Sven Hedin, der „letzte große Entdeckungsreisende“ (Anm. 1) , wurde v.a. bekannt für seine Entdeckungsreisen im zentralasiatischen Raum. Sein Ziel war es, die letzten unbekannten Stellen der Erde zu erkunden. Dieses gelang dem Schweden in vier großen Forschungsexpeditionen (1893-1935).

Glückwunschkarte zum 80. Geburtstag Sven Hedins am 19. Februar 1945

Das vorliegende Stück zeigt die Glückwunschkarte des Perthes-Verlags zu Hedins 80. Geburtstag. Dargestellt sind in dieser Zeichnung wichtige Stationen des Wirkens Sven Hedins. Sehr anschaulich sind die Städte Gotha und Stockholm, dem Geburts- und Wohnort Hedins,  gezeichnet. Ebenfalls erkennt man in der rechten Bildhälfte die Zeichnung des Himmelstempels von Peking, als weiteren wichtigen Ort seiner Forschungsreisen. Im linken Teil der Abbildung sieht man ihn sitzend bei der Besprechung einer Karte. Ihm gegenüber steht der damalige Verlagsinhaber und Ur-Ur-Enkel des Firmengründers, Joachim Perthes. Bei den anderen Personen handelt es sich um Kartographen. Damit sollte die Verbindung zwischen Hedin und dem Gothaer Verlag deutlich gemacht werden, dem festen und zentralen Bündnis zur Erforschung Zentralasiens. Auf der rechten Bildseite zieht eine Karawane von Dromedaren, an deren Spitze Hedin seine Mannschaft aus Wissenschaftlern zur Erkundung der Wüsten und Gebirgszüge Zentralasiens anführt. Das Flugzeug im oberen Abschnitt der Zeichnung verweist auf die Arbeitsbeziehungen Hedins zur Lufthansa AG, für welche er Infrastrukturmöglichkeiten im innerasiatischen Raum erkunden sollte.

Leider fehlen zu den aufgeführten Teilbereichen des Perthes Verlags die Unterschriften der jeweiligen Mitarbeiter, welche sich auf dem Exemplar im Archiv des Ethnografischen Museums in Stockholm befinden, wo der Nachlass Hedins aufbewahrt wird. Zweifelsfrei zeugt dieses Fundstück aber von der freundschaftlichen und professionellen Zusammenarbeit Hedins und des Perthes Verlags.

Telegramm vom 4.3.1945 - Teil 1

Telegramm vom 4.3.1945 - Teil 2

Im beigefügten Telegramm Hedins vom 04.03.1945 bedankt sich dieser vielmals und gibt die Hoffnung auf eine Fortsetzung der erfolgreichen Arbeit am Zentralasienatlas nicht auf. Leider war diese Hoffnung im Rahmen der Kriegs- und Nachkriegszeit, der damit verbundenen Wirrungen sowie zunehmenden Einschränkungen für das Familienunternehmen und der letztendlichen Enteignung des Verlages durch die staatlichen Behörden der DDR umsonst. Dennoch blieben die Erfolge Hedins aufgrund seiner einzigartigen Forschungsreisen und früherer Publikationen der Nachwelt in der Sammlung Perthes erhalten. Sie bilden somit einen wichtigen Grundstein für weitere wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit dem Gebiet Zentralasiens, der Kartierung des innerasiatischen Raumes und nicht zuletzt auch mit dem umstrittenen Lebenswerk Sven Hedins.

Autor: Matthias Weber

Der Verfasser hat das Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an der Friedrich-Schiller Universität Jena und der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover mit dem „Bachelor of Arts“ abgeschlossen. Im Rahmen eines Praktikums an der Forschungsbibliothek Gotha/Sammlung Perthes hat er den Nachlass Sven Hedins gesichtet und geordnet.

Anmerkungen

Anm. 1: Demhardt, Imre Josef: Aufbruch ins Unbekannte. Legendäre Forschungsreisen von Humboldt bis Hedin, Darmstadt 2011, S. 153. Zur umstrittenen Gestalt  Hedins, der als Sympathisant des Nationalsozialismus und Hitlers im Besonderen nach 1945 zur unerwünschten Person wurde, siehe ebd., S. 160–163, und Ders., Der Erde ein Gesicht geben. Petermanns Geographische Mitteilungen und die Entstehung der modernen Geographie in Deutschland, Gotha 2006, 103–106.

Anm 2: Die Unterlagen zum Nachlass von Sven Hedin sind unter folgender Signatur verzeichnet: Sammlung Perthes Archiv, Schriftleitung PGM, Mappe 613.

Die Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nur nach Rücksprache mit der Sammlung Perthes Gotha weiterverwendet werden.

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