ORF sendet kleine Reihe über Asienforscher Sven Hedin

Vor 90 Jahren fiel der Startschuss für eine der ungewöhnlichsten Landexpeditionen: Dem 62-jährigen schwedischen Asienforscher Sven Hedin war es endlich gelungen, seine vierte und größte Expedition auf die Beine zu stellen, die alle vorherigen weit übertrumpfen und sich ganz grundsätzlich von ihren Vorgängern unterscheiden sollte. Die Zeit der heroischen Einzelreisenden, die mit Alexander von Humboldt begann, war endgültig besiegelt. Hedin führte jetzt ein Wissenschaftlerteam aus Topografen, Geologen, Meteorologen und Archäologen an – eine „wandernde Universität“, als dessen „Rektor“ er sich vornehmlich um die Organisation und Finanzierung des Unternehmens kümmern musste. Seine Sponsoren vor allem in Schweden, Deutschland und China verbanden ganz konkrete Aufträge mit ihrem Engagement. Der Schwerpunkt lag bei den Möglichkeiten der infrastrukturellen Erschließung Innerasiens. So gigantisch die Expedition angelegt war, so kolossal sollte ihre wissenschaftliche Ausbeutung werden – gleich einem Vermächtnis.

Der Asienforscher Sven Hedin. (Copyright: Forschungsbibliothek Gotha)

An diesem Vermächtnis hatte auch das Verlagshaus Justus Perthes in Gotha einen nicht geringen Anteil. Denn zu den letzten großen Forschungsreisenden, die mit dem Verlag in reger Verbindung standen, gehörte eben der schwedische Asienforscher Sven Hedin, der seit seiner ersten großen Expedition 1897 seine wissenschaftlichen Karten fast ausschließlich in Gotha herstellen ließ. Diese recht enge Zusammenarbeit zwischen Forscher, Verleger und Kartografen dokumentiert sich bis heute in den Materialien der Sammlung Perthes der Forschungsbibliothek Gotha.

Das ORF-Radio Ö1 widmet sich nun in seiner Sendereihe „Betriff: Geschichte“ diesem Thema. In fünf kleinen Episoden erzählt Sven Ballenthin, Mitarbeiter in der Forschungsbibliothek Gotha der Uni Erfurt, von den Schwierigkeiten, Erfolgen und Auswirkungen dieser Expedition. Das Ganze ist live zu hören vom 8. bis zu 12. Mai 2017 jeweils von 17.55 bis 18 Uhr auf http://oe1.orf.at/ oder im Podcasts http://oe1.orf.at/betrifftgeschichte.

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Wertvolle Zeugnisse der Kartographie | Klett-Verlag schenkt Sammlung Perthes Bestände aus der Gothaer Verlagsgeschichte

Die Sammlung Perthes Gotha, die in der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt bewahrt und erforscht wird, hat eine überaus wertvolle Erweiterung erfahren: Die Ernst Klett Verlag GmbH hat in einer großzügigen Schenkung zahlreiche Zeugnisse der Gothaer kartografischen Verlagsgeschichte in den Besitz der Universität Erfurt übertragen.

Dabei handelt es sich um Überlieferungen dreier ehemaliger Verlage: Justus Perthes Verlag Gotha, Justus Perthes Geographische Verlagsanstalt Darmstadt und des VEB Hermann Haack Geographisch-Kartographischen Anstalt Gotha und damit um Bestände, die historisch eng mit der Sammlung Perthes verknüpft sind. „Wir freuen uns außerordentlich über eine derartige Bereicherung der Sammlung Perthes“, hebt Petra Weigel als Referentin der Sammlung Perthes hervor. Übernommen werden konnten u.a. zahlreiche Schulwandkarten der Produktion des VEB Hermann Haack und von Justus Perthes Darmstadt, zwei historische Großgloben, deren Kartografie in Gotha entstand, fünf Gemäldevorlagen geografischer Typenbilder, deren Schöpfer um 1900 bekannte Landschafts- und Marinemaler waren. Hinzu kommen die Druckunterlagen zahlreicher Atlanten und Geografischer Handbücher des VEB Hermann Haack, Archivalien der Firmengeschichte und ein einzigartiges Zeugnis der Baugeschichte des Gothaer Verlagsensembles, ein Modell der Verlagsgebäude, das in den 1930er-Jahren entstand.

Dr. Petra Weigel mit Stücken aus der Schenkung des Klett-Verlages. (Foto: Universität Erfurt)

Dr. Petra Weigel mit Stücken aus der Schenkung des Klett-Verlages. (Foto: Universität Erfurt)

Für den Ernst Klett Verlag, der die historisch bedeutsamen Materialien einst mit dem Verlagsgeschäft erworben hatte, war es von Beginn an wichtig, dass die Sammlung erhalten bleibt. „Mit der Schenkung sind die Archivalien jetzt an dem einzig richtigen Ort. Die Geschichte der Kartografie und Geografie kann nun bestens beforscht werden“, freut sich Klett-Geschäftsführer Ulrich Pokern, der den Programmbereich Geografie mit der Marke Haack Weltatlas in Leipzig verantwortet.

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Uraufführung des Films „Die Kartenmacher aus Gotha“ begeistert

Mit viel Applaus wurde die heutige Uraufführung des Dokumentarfilms „Die Kartenmacher aus Gotha“ bedacht, zu der viele geladene Gäste in das Gothaer Cineplex-Kino kamen. Nach einführenden Worten der  Leiterin der Forschungsbibliothek Gotha, Frau Dr. Paasch, folgte das Grußwort von Stephan Justus Perthes, der mit seiner Familie aus Darmstadt anreiste. Bereits diese kurze Einführung machte deutlich, unter welchen besonderen Bedingungen dieser Film seit 1990 entstand. Auch unterstrich Prof. Dr. Druffner, stellvertretender Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, den außergewöhnlichen Wert der heutigen Sammlung Perthes Gotha und die Unterstützung durch die Kulturstiftung der Länder. Im Anschluss folgte die Uraufführung des von den Regisseuren Otto Schuurman und Joachim Jäger so dicht erzählten Films. Historische Rückblicke wurden um Expertenmeinungen zur Verlagsgeschichte ergänzt, die wiederum neben Erlebnisberichten von ehemaligen Mitarbeitern standen. Inhaltlich umfasste der Film die Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts bis ins 21. Jahrhunderts, wobei besonders die Brüche in der Verlagsgeschichte beleuchtet wurden. Eindrücklich waren die Szenen zur Zeit der Wiedervereinigung: Konnte es dem Betrieb nach so langer Planwirtschaft gelingen, in der Marktwirtschaft Fuß zu fassen? Diese bedachte, beeindruckende und kluge Erzählweise wurde von den Zuschauern durch gelegentlichen Szenenbeifall honoriert. Im Anschluss bat Stephan Justus Perthes alle Mitwirkenden des Films – Zeitzeugen, ehemalige Mitarbeiter („Haackianer“) und das Filmteam – auf die Bühne (vgl. Foto), zuvor bedankten sich noch die beiden Regisseure.

Termine für weitere öffentliche Vorführungen im Jahr 2017:

  • Leipzig, Dienstag, 21. März 2017, 19 Uhr im Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5–11
  • Gotha, 18. September bis 29. Oktober 2017, zu den 8. Gothaer Kartenwochen mit anschließender Podiumsdiskussion
  • Erfurt, Freitag, 3. November 2017, Lange Nacht der Wissenschaften an der Universität Erfurt

Lesenswerte Hintergrundberichte und Informationen

Zu den Förderern des Filmprojekte

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Hintergründe zum Dokumentarfilm „Die Kartenmacher aus Gotha“

In Begleitung der heutigen Uraufführung des Dokumentarfilms „Die Kartenmacher aus Gotha“ sind zwei lesens- und hörenswerte Beiträge erschienen:

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Wie der Dokumentarfilm „Die Kartenmacher aus Gotha“ entstand

Mehr als 25 Jahre nach den ersten Dreharbeiten feiert diesen Sonntag, 19. März, der Dokumentarfilm „Die Kartenmacher aus Gotha“ in Gotha Weltpremiere. Der Film des deutsch-niederländischen Filmteams Otto Schuurman und Joachim Jäger erzählt die wechselvolle Geschichte des einst weltweit bekannten Kartografie-Verlages Justus Perthes Gotha, dessen Archiv als Sammlung Perthes 2004 in die Forschungsbibliothek Gotha und damit in die Sammlungen der Universität Erfurt eingegangen ist. Das News-Portal der Universität Erfurt WortMelder wirft ein einem interessanten Artikel einen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Filmprojektes und erklärt die spannenden Hintergründe dieses Langzeitprojekts.

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Dokumentarfilm „Die Kartenmacher aus Gotha“ – Premiere im Gothaer Cineplex-Kino

Im Gothaer Cineplex-Kino findet vor geladenen Gästen am Sonntag, 19. März, die Uraufführung des Dokumentarfilms „Die Kartenmacher aus Gotha“ statt. Mit dabei sind neben den Regisseuren – Otto Schuurman und Joachim Jäger aus den Niederlanden – zahlreiche Gäste aus ganz Deutschland, unter ihnen Stephan Justus Perthes, der direkte Nachfahre und Erbe des Verlagsgründers Justus Perthes, sowie Prof. Dr. Frank Druffner, stellvertretender Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, die das Filmprojekt maßgeblich unterstützte.

Die Dokumentation „Die Kartenmacher aus Gotha“ erzählt die wechselvolle Geschichte des Verlages Justus Perthes Gotha. Dabei nimmt der Film Verleger, Mitarbeiter und Verlagsprodukte in den Blick, um Aufstieg und Wandel  eines der einflussreichsten, weltweit agierenden Kartenverlage des 19. und 20. Jahrhundert nachzuzeichnen. Anhand der im Verlag geschaffenen Karten visualisiert der Film einerseits die historischen Entwicklungen, die vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis zum Ende des 20. Jahrhunderts die Geschichte des Verlags prägten. Andererseits erzählt er von der Entstehung der modernen Kartografie, von der Rolle der Kartografen und der Macht der Karten. In seiner Rahmenerzählung spannt er zudem einen Bogen von den 1950er- bis in die 1990er-Jahre, Jahrzehnte, die geprägt sind von Zwangsverstaatlichung, Planwirtschaft im VEB Hermann Haack Gotha, dem Aufbau  von „Justus Perthes‘ Geographische Verlagsanstalt  Darmstadt“, der Reprivatisierung und den damit verbundenen Hoffnungen, den Verlag über die Umbrüche der Wende 1990 zu retten und neu zu positionieren.

Das niederländisch-deutsche Filmemacher-Team Otto Schuurman und Joachim Jäger verflechtet diese Erzählstränge zu einem vielstimmigen Film. Über 25 Jahre hinweg haben sie das Schicksal des Verlages filmisch begleitet und Interviews mit den Beteiligten und Betroffenen geführt, darunter Stephan Justus Perthes – in 7. Generation direkter Nachfahre der Verleger-Familie Justus Perthes –, Verlagsmitarbeiter sowie Historiker und Bibliothekare, die heute in der Sammlung Perthes die Geschichte und Tradition des Verlages Justus Perthes bewahren. Ohne selbst das Wort zu ergreifen, lassen die Filmemacher Berichte und Bilder mit- und gegeneinander wirken und fügen damit den unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten ihre eigene Sicht auf das Geschehen hinzu.


Weitere – dann öffentliche – Vorführungen des Dokumentarfilms „Die Kartenmacher aus Gotha“ sind geplant, unter anderem im Rahmen der diesjährigen „Gothaer Kartenwochen“ (18.9. bis 29.10.2017) sowie zur „Langen Nacht der Wissenschaften“ am 3. November in Erfurt.

Für den Film wirbt ein Trailer, der unter folgendem Link heruntergeladen werden kann (82MB, mp4): https://gigamove.rz.rwth-aachen.de/d/id/GFY5nzfnuDcYDo

Informationen für eine Presseanfrage unter:
Universität Erfurt | Stabsstelle Hochschulkommunikation
pressestelle@uni-erfurt.de

Zum Hintergrund  der Sammlung Perthes
Die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt bewahrt und erforscht heute die Sammlung Perthes, die aus den historischen Beständen der Verlage Justus Perthes Gotha und Darmstadt bzw. des VEB Hermann Haack Gotha hervorging. Sie überliefert ein einzigartiges Quellenmaterial zur Entwicklung der Kartografie und Geografie im 19. und 20. Jahrhundert. In der Geschlossenheit und Verflechtung ihrer Bestände dokumentiert die Sammlung die letzte Phase des Entdeckungszeitalters, während der das Innere der nichteuropäischen Kontinente und die Polargebiete erforscht wurden. Die in Gotha und Darmstadt verlegten Karten und Zeitschriften, allen voran „Stielers Handatlas“ und „Petermanns Geographische Mitteilungen“, sowie zahlreiche, auch international erfolgreiche Wandkarten und Atlanten für den Schulunterricht, prägten bis weit in das 20. Jahrhundert hinein das wissenschaftliche Bild der Erde und popularisierten es für eine breite Öffentlichkeit. Genealogisch-statistische Publikationen bildeten den zweiten Schwerpunkt des Verlagsprofils, darunter der „Almanach de Gotha“/„Gothaische Hofkalender“ als das maßgebliche biografische Lexikon des europäischen Adels. Die Sammlung Perthes wurde vom Freistaat Thüringen 2003 mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder erworben und in die Forschungsbibliothek Gotha integriert.

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Perthes im Gespräch – Edward Robinson und die Kartografie Palästinas

Die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt lädt am Mittwoch, 22. März 2017, zur nächsten Veranstaltung in der Reihe „Perthes im Gespräch“ nach Gotha ein. Beginn ist um 18.15 Uhr im Ahnensaal des Perthesforums. Der Eintritt ist frei. Mehr…

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